Seit 2005

Das Klarinettenfestival in Bremen hat klein im Jahr 2005 begonnen und ist mittlerweile zu einem bekannten Treffpunkt für Klarinettistinnen*en aus ganz Deutschland geworden. 


Stöbern Sie hier etwas in unserer Historie. Viel Vergnügen! 

Der bunte Mix aus mehr oder weniger hochprozentigen „Getränken“, sorgfältig zusammengestellt vom Ensemble Clarinet News für sein Neujahrskonzert mit dem bezeichnenden Motto „Champagner-Galopp“, hätte in trinkbarer Form wohl sämtliche Eingeweide gehörig rebellieren lassen. Die jeweiligen musikalischen Varianten hingegen waren für die Zuhörer im restlos ausverkauften Sendesaal zweifellos ein echter Hochgenuss.

Dabei ging es rege zur Sache mit Tafelmusiken quer durch sämtliche Stilepochen, dargeboten von fünf Herren samt Dame, die als bestens ausgewogenes Klarinettensextett ihre abwechslungsreiche Programmabfolge – vom tollen Bigband-Sound beim Standard „In the Mood“ bis hin zum schmelzzarten Telemann-Adagio – mit ausgefeilter Spieltechnik und musikantischer Begeisterung präsentierten. Es versteht sich nahezu von selbst, dass die Originalkompositionen durch gelungene Eigenarrangements gleich noch etwas aufgepeppt wurden, um die Familie der Klarinetteninstrumente in ihrer spezifischen tonalen Bandbreite eindrucksvoll zu Gehör zu bringen. Warum nicht einfach eine gravitätische, aus plumeau-seidigen Harmoniefolgen zusammengesetzte Pavane des 17. Jahrhunderts kombinieren mit einer munteren Klezmer (davon hätte es gerne noch mehr geben dürfen!)? Geht tatsächlich! Und machte richtig Spaß, zumal dabei die stimmführende Bassklarinette auch noch auf unterschiedlichste Weise plaudernd, giggelnd, schnarrend oder grummelnd eingesetzt wurde.

Eine temperamentvolle Suite aus Smetanas „Die Verkaufte Braut“ (als eingeschobener Gag streckenweise von angeblasenen Bierflaschen begleitet) oder die Champagner-Arie aus Mozarts „Don Giovanni“ gefielen mit fingerfertiger Ausführung quirlig perlender Koloraturen. Gewohnt launig moderiert von Marco Thomas, präsentierte die agile Truppe den schwungvollen Jazz-Walzer von Schostakowitsch ebenso gekonnt wie den weinselig-komatösen Zustand nach einem ausgelassenen Gelage, so wie ihn Vivaldi im Adagio aus seinem „Herbst“ in Töne gesetzt hat. Ein Schuss „Geschüttelt, und nicht gerührt“ (Norman/Newman) erinnerte an James Bond; die knackig scharf intonierte „Tequila“ (Daniel Flores) ließ die ausgelassene Stimmung einer mexikanischen Fiesta aufkommen. Um die Kurzweil noch zu steigern, durften auch noch echte Korken knallen (per Luftpumpe!), um beim „Champagner-Galopp“ von Lumbye für das passende Ambiente zu sorgen.

Bericht vom Neujahrskonzert 2015 im Sendesaal Bremen

Gerd Klingeberg, Weser-Kurier 05.01.2015

Gilt traditionell eher der Süden Deutschlands als Bläserland, so hat sich der Fokus in den vergangenen Jahren – zumindest klarinettenspezifisch – spürbar verlagert. Schuld sind daran in beträchtlichen Maße die Norddeutschen Klarinettentage, die 2014 schon zum 10. Mal am ersten verlängerten Januarwochenende zahlreiche Instrumentalisten und ihre „Schwarzwurzeln“ nach Bremen lockten. Und das zehnte Jahr wurde in der Tat eines der Rekorde: mit 78 Teilnehmern (nach gut 30 im ersten Jahr), mit fünf hervorragend besuchten Konzerten in nur vier Tagen und mit einem Team aus elf Dozenten, die in einem dichtgestrickten Stundenplan für klarinettistische Vielfalt vom Feinsten sorgten. 

So gelang es dem engagierten Organisationsteam rund um Prof. Marco Thomas und das Ensemble „Clarinet News“, jedem Teilnehmer pro Tag einen Ensembleblock, eine Probeneinheit Klarinettenorchester und eine Einzelstunde bzw. erstmals alternativ einen Workshop zu garantieren – ein artistisches Unterfangen ganz eigener Art, doch von bemerkenswertem Erfolg gekennzeichnet! Für die Teilnehmer aus ganz Deutschland, Schüler, Studenten, Lehrer und Hobbymusiker im Alter zwischen 9 und über 70 Jahren, lag der Fokus dabei weniger auf technischer Perfektion als auf Spaß, Neugier und Entdeckerlust. 

Das „Spielen in Rudel“, als das eine Erstteilnehmerin staunend das von der Es- bis zur Kontrabassklarinette achtenswert besetzte Klarinettenorchester beschrieb, stellte für manchen auch sinfonieorchestergeschulten Neuling eine erstaunliche Erfahrung dar, andere fanden die Herausforderung im Experimentieren auf historischen Instrumenten (Dozent: Eric Hoeprich), frönten im Bassklarinettenensemble der Lust an tiefen und tiefsten Tönen (Thomas Richter), tauchten in klezmertypische Rhythmen und Skalen ein (Jaan Bossier) oder wagten sich unter dem Motto „Kontraste“ an stilistische Grenzen und spezifische Ausdrucksmittel (Jószef Balogh). Ergänzt wurde das hochkarätige Dozententeam durch Sebastian Gette von Poblozki, der schon traditionell für die kleine, doch bestens integrierte Saxophon-Gruppe verantwortlich zeichnet, sowie im klassischen Bereich durch Regine Müller, Sabine Grofmeier, Claudia Dresel, Matthew Hunt, André Weht und Martin Stoffel sowie Marco Thomas: ganze 14 Ensembles und 9 Workshopgruppen wurden so auf die Beine gestellt. Kaum klarinettistische Farben, die man hier noch vermissen könnte!

Die Klarinette als Gemeinschaftserlebnis steht im Mittelpunkt der Norddeutschen Klarinettentage, und tatsächlich gelang das Kunststück, den denkbar bunten Teilnehmerkreis bestmöglich zu integrieren. Das ambitionierte Ziel der Veranstalter lautet, jeden dort abzuholen, wo er gerade steht – und der Erfolg ist offensichtlich, war schließlich einer der Teilnehmer bereits zum zehnten Mal dabei, und eine Vielzahl von „Mehrfachtätern“ reiht sich mit ungebrochener Begeisterung ein. Weitergehen soll es daher auch im zweiten Jahrzehnt nach bewährtem Konzept. „Bei 100 Teilnehmern ist aber Schluss“, sagt Prof. Marco Thomas schmunzelnd. „Na mal sehen...“ Anbauen müsste sonst wohl die Bremer Hochschule für Künste, die als Partner die Unterrichtsräume stellt und zwei der Konzerte veranstaltet.

Vielfalt und höchstes Niveau garantieren in der Tat auch die Spielorte, und so haben sich die Norddeutschen Klarinettentage mit Konzerten in der Kirche Unser lieben Frauen und im inzwischen denkmalgeschützten, für seine hervorragende Akustik gerühmten Sendesaal Bremen als feste Instanz im Konzertkalender der Hansestadt etabliert. Den Anfang machte diesmal das Debütkonzert der „Bremer Kammersolisten“, ein durchaus auf Individualität bauendes Ensemble erstklassiger Musiker aus den Reihen der Kammerphilharmonie, der Bremer Philharmoniker und der Hochschule – ein Ensemble mit bestechender Spielfreude, dessen Sinn für klangliche Nuancen Lust auf mehr macht. Beethovens Septett op. 20 erklang klassisch in der Klarheit der Tonsprache, romantisch jedoch im erzählenden Gestus. Spritzig, kommunikativ, fast schon swingend im dritten Satz – Kammermusik vom Feinsten! Im „Kampf der Titanen“ folgte Johannes Brahms in Gestalt seiner ersten Orchesterserenade in einer Rekonstruktion ihrer frühen Nonett-Fassung (Jorge Rotters). Die Vergrößerung des Ensembles bedeutete auch eine spürbare Verlagerung in Richtung des Bläserklangs, der mit fast orchestraler Fülle gelegentlich den Streichern ein wenig die Show stahl. Eine Frage der Bearbeitung, nicht der Darbietung! Die nämlich fesselte erneut durch die Präsenz dialogisch verzahnter Soli und durch den brahmstypischen Schwerpunkt auf warmen, dunklen Farben.

Ordneten die Klarinetten sich hier noch brav ein, so sollten sie an den folgenden Tagen auch konzertant mit voller Macht in den Vordergrund treten. Klarinettentage sind schließlich Klarinettentage! Und so hieß es Freitagabend und Sonntagvormittag gleich doppelt „Sing sing sing – Surprise“ – ein Konzert des Ensembles „Clarinet News“, für das das Publikum vorab seine Wünsche aus den Highlights der vergangenen Jahre eingereicht hatte. Ein bunter Strauß kleiner Köstlichkeiten war so zusammengekommen – Klarinettistisches quer durch den Garten, wobei die Route der Weltreise (1. Teil) und der Expeditionen ins Tierreich (2. Teil) clever gewählt war. Zwar blieb kaum ein Klischee ausgespart, doch der Frontalangriff auf Effekt, Show und Spielfreude wurde so souverän und kurzweilig serviert, dass genau hier schon wieder der Witz der Darbietung lag. Die Brillanz des Ensembles: wie gewohnt frappierend.

Die Bigband der Hochschule für Künste unter der Leitung von Prof. Martin Classen hatte ihren Auftritt am folgenden Abend – kein Konzert für empfindliche Ohren bei fast durchgängig dominierender Rhythmusgruppe und meist zu wenig präsenten Soli. Schade, denn was zu hören war, hatte Witz und Niveau, bei den zum Teil virtuos und kreativ improvisierenden Studierenden nicht weniger als beim Profisolisten Volker Bruder an der Klarinette. Das leiseste Stück war zugleich ein Highlight des Abends: Jószef Balogh spielte Autumn Leaves, betörend frei und faszinierend individuell, bevor dann Vipers Grass, von Joachim Refardt original für den Abend komponiert, diverse Dozenten der Klarinettentage in den „Big Sound“ integrierte.

„Happy End“ lautete schließlich das Motto des Abschlusskonzerts – und in der Tat! Was hätte nach derart kreativen Tagen gemeinsamen Musizierens auch schief gehen können, außer vielleicht der eine oder andere Ton, der aber letztlich niemanden mehr aus der Fassung brachte. Fern aller Selbstdarstellung, die an anderen Veranstaltungen ähnlichen Kalibers abschrecken mag, herrschte hier das pure Vergnügen am Ensemble-Musizieren – ein Abend der knapp 80 Teilnehmer, für die die Dozenten Stühle schleppten, hier und da den Takt schlugen oder mit unterstützenden Mittelstimmen den Laden zusammenhielten. Mancher Spieler konnte in der Tat stolz sein auf die vielen zur rechten Zeit an den rechten Ort platzierten Töne, bei anderen trug darüber hinaus auch die Inspiration der kundigen Lehrer Früchte: in gestalterischen Nuancen, im Singen auf dem Instrument, in musikalischer Kommunikation. Das Bassklarinettenensemble erregte in diesem Finale zweifellos am meisten Staunen und brachte den Saal der Hochschule schon vor dem Applaus zum Beben. 

Als Fazit mag gelten, dass Klarinettisten offensichtlich mehr als andere Instrumentengruppen zur Rudelbildung neigen, und dass Vielfalt und Individualität das Ensemble erst beleben. Die Norddeutschen Klarinettentage haben sich unter dieser Prämisse in ihrer 10-jährigen Existenz zu einer hochkarätigen Veranstaltung gemausert, der der persönliche Kontakt und das Lernen und Musizieren auf Augenhöhe mit den Profis viele Sympathiepunkte garantieren. Darüber hinaus – und das ist vielleicht das größte Verdienst der Initiatoren – wirken sie als vielversprechende Nachwuchsschmiede, die Lust und Neugier auf das Instrument und sein vielfältiges Potenzial weckt. Ein Nichtklarinettist kann hier nur neidvoll bekennen: Man müsste Klarinette spielen können...

Kerstin Klaholz

Bremen, 2.-5. Januar 2014

„Nur ein Hauch!“, sagt der Dirigent Marco Thomas zu den 70 Klarinettisten, die sich auf der Bühnen drängeln, „wenn das alle machen würden, hätten wir eine super Klangfarbe!“ Das machen aber eben nicht alle, und das soll auch gar nicht sein. Denn wir befinden uns auf einer Probe des Klarinettenorchesters, das gebildet ist aus den diesjährigen Teilnehmern der neunten internationalen Klarinettentage in Bremen. Und da dürfen alle kommen, die Klarinette spielen, vom jüngsten – dieses Jahr neun – bis zum Ältesten – dieses Jahr 75 Jahre alt.

Der Professor für Klarinette und Kammermusik an der Bremer Hochschule für Musik, Marco Thomas, hat das Konzept entwickelt und 2005 zum ersten Mal durchgeführt. Die Teilnehmerzahl, damals 31, hat sich mit 70 in diesem Jahr mehr als verdoppelt. Die meisten kommen wieder: „Es bringt Spaß. Wir können uns austauschen, das geht oft in den kleineren Orten nicht“, sagt eine Frau, die Bassklarinette spielt. „Ich kenne zu Hause niemand, mit dem ich spielen kann“, sagt ein Naturwissenschaftler aus Köln, der seit Jahren Feuer gefangen hat an dem Instrument, dass der menschlichen Stimme so gleichkommt wie keines. „Es ist alles total locker, ich komme bestimmt wieder“. Laienstreicher haben es da viel leichter: schnell ist ein Orchester gefunden, schnell auch ein Quartett.

Thomas koppelt in den vier übervollen Tagen mehrere Anliegen, die ihm, dem „Klarinettenverrückten“, wie er von sich selbst sagt, am Herzen liegen. Das ist einmal der Kontakt zu den Laien. Das ist zum zweiten das Anliegen, die Vielseitigkeit der Klarinette zu zeigen. Die angebotenen Kurse umfassen Klezmer, Bassklarinette, Meisterkurs, Jazz, Saxophon und Tarogato (eine ungarische Sonderform der Klarinette). Darüber hinaus dokumentieren die vier abendlichen Konzerte den Reichtum der Literatur aus allen Stilen. „Viele sehen hier auch zum ersten Mal alle Instrumente der Instrumentenfamilie, wie die hohe Es-Klarinette, die Bassklarinette, die Bassettklarinette, die Kontrabassklarinette“, erläutert Dozentin Regine Müller. Und das dazwischen liegende Bassetthorn, das Mozart so liebte. Alle können in der Ausstellung der Instrumentenbauer ausprobiert werden .

Wie macht man das nun, dass alle 70 mit verschiedenen Leistungsniveaus – auch Profis waren dabei – auf ihre Kosten kommen? Eine logistische Meisterleistung, alle hatten bei neun Dozenten vier Unterrichtsstunden, beziehungsweise Ensemblestunden beziehungsweise Kursteilnahme.

Viele Klarinettenlehrer sind mit ihren Schülern von weither gekommen, „und es ist eine helle Freude, zu sehen, mit welchen Impulsen aus den Kursen vom Vorjahr sie sich entwickelt haben“, sagt Thomas, „es ist auch interessant, dass die meisten mit klaren Vorstellungen kommen, welches Problem sie haben und was sie lernen wollen“. Sicher können nicht alle Profis derart auf Laien eingehen, wie Thomas das kann. Es war erstaunlich zu erleben, was mit seinen Korrekturen bezüglich Dynamik, Bögen, Atem und vieles mehr umgesetzt werden konnte. Herrliche Effekte

In diesem Sinne waren alle siebzig dann im sogenannten „Klarinettenorchester“ gefordert, das im Konzert, in dem alle Ensembles ihre Ergebnisse präsentierten, in Arrangements von Stücken Debussys und Rachmaninows wunderschön zur Geltung kam.

Vier Konzerte gibt es, ein klassisches mit namhaften Spielern und das Abschlusskonzert „Happy End“ mit den Ergebnissen der Ensemblearbeit. Dazwischen gibt es wechselnde Konzerte. Dieses Jahr trat viel bejubelt die Big Band der Hochschule unter der Leitung von Martin Classen auf und das Klarinetten-Ensemble „Clarinet News“, das in aller Welt erfolgreich gastiert. Deren sechs Mitglieder bilden den Dozentenstamm der Klarinettentage. „Clarinet News“ tummelten sich, launig moderiert, in einem „America“-Programm unterhaltsamster Art. Im klassischen Konzert entstanden mit den Wiedergaben von Schumanns Märchenerzählungen und Mozarts „Kegelstatt-Trio“ mit Esther van Stralen (Viola) und Liga Skride (Klavier) wunderbare Stimmungen.

„Ach, wenn wir nur auch Clarinetti hätten!“, schrieb Mozart 1778 an seinen Vater, „Sie glauben nicht, was eine Sinfonie mit Clarinetten einen herrlichen Effect macht!“ Davon hat Marco Thomas mit seinem Team wieder einmal alle überzeugt. Die nächsten Klarinettentage finden vom 2. bis 5. Januar 2014 statt.

Ute Schalz-Laurenze, Bremen

Bremen. Klarinettisten in Sechserformation gibt es in der Regel nicht einmal in großen Orchestern. Wohl aber bei „Clarinet News“. Das Ensemble lud im restlos ausverkauften Sendesaal ein zu einer musikalischen Reise quer durch Amerika und untermalte gleich den Einzug mit brasilianischen Sambarhythmen. Humorvoll anmoderiert von Marco Thomas, präsentierte das Klarinetten-Sextett einen unterhaltsamen Querschnitt unterschiedlichster Stilrichtungen. Weil für solch eine Besetzung keine Originalliteratur vorliegt, wurden zumeist bekannte Kompositionen von Ensemblemitgliedern kreativ bearbeitet. Und dabei scheute man sich nicht, reichlich ungewohnt etwa die „Bachianas Brasileiras“ von Villa-Lobos mit einem Werk Johann Sebastian Bachs zu kombinieren. Oder Vivaldis „Winter“ mit Piazzolla-Tangos einzurahmen und auf diese Weise einen weiten Bogen über ein Vierteljahrtausend Musikgeschichte zu schla! gen. Ein kühnes Unterfangen, das nicht immer so recht zu passen schien. So mag ein fugiertes Bach-Thema, auf Klarinette gespielt, ganz reizvoll sein, dürfte aber derart verfremdet nicht jedermanns Geschmack entsprechen.

Anders bei der Largo-Melodie aus Dvoráks „Neuer Welt“, original für Englischhorn, die durch die Ausführung mit Klarinette nichts von ihrem Sehnsuchtscharakter einbüßte. Aber bevor es allzu rührselig wurde, erfolgte ein gewollt abrupter Wechsel zum rasanten Ragtime mit einem Scott-Joplin-Medley, bei dem auch der berühmte „Entertainer“ nicht fehlen durfte. Ebenfalls ein Muss auf dem Programm war das Adagio aus Mozarts Klarinettenkonzert KV 622, das als Filmmusik bekannt geworden ist und mit samtig glänzender Tongebung gefiel. Dennoch liegt der Reiz der Klarinette mehr noch im Bereich Jazz, Klezmer, Swing und Bigband-Sound. Hier wurden in einigen Solopartien vielfältige, n! ur der Klarinette eigene Toneffekte demonstriert: vom stimmung! svoll ho lzigen Warmklang und dem Grummeln der riesigen Bassklarinette, vom Schnarren und Kieksen bis hin zum ekstatischen Schreien der Sopranklarinette. Ein bisschen Gershwin – mitreißend wie einst die Version des unsterblichen Benny Goodmann –, dazu Ausschnitte aus Bernsteins „West Side Story“, und schließlich John Kanders „New York, New York“ beendeten die muntere Programmabfolge, die von den Zuhörern mit begeistertem Beifall bedacht wurde. 

Gerd Klingeberg 

© Bremer Tageszeitungen AG 2013

Joseph Weigl (1766-1846), ein aus Österreich stammender Opernkomponist, dürfte allenfalls Spezialisten bekannt sein. Eine der von dem Cellisten-Sohn und Joseph-Haydn-Patenkind geschaffenen eingängigen Melodien, ehedem ein veritabler Ohrwurm, ist glücklicherweise nicht dem Vergessen anheimgefallen. Sie lieferte das Thema für den Schlusssatz aus Beethovens Trio op. 11 für Klarinette, Violoncello und Klavier, das als „Gassenhauertrio“ geschmäht wird - und das beim Auftaktkonzert der diesjährigen Norddeutschen Klarinettentage zu hören war. 

Bei dieser Aufführung ging es indes mitnichten gassenhauerisch salopp zu. Dafür bürgten Liga Skride (Piano), Tanja Tetzlaff (Violoncello) und Marco Thomas (Klarinette), die ihre musikalische Qualifikation bereits oft bewiesen haben. Nun ist beste Beherrschung der Instrumente zwar Voraussetzung, gleichwohl keineswegs Garantie für gutes Ensemblespiel. In der gegebenen Zusammensetzung scheint hingegen die Chemie zu stimmen. Da passte von Beginn an die detaillierte Ausgewogenheit der drei Stimmen, von denen sich keine in den Vordergrund drängte. Im abgedunkelten Kirchenraum von Unser Lieben Frauen, sanft erleuchtet von den Kerzen eines großen Christbaums, schuf das Terzett vielmehr eine intime kammermusikalische Atmosphäre mit Gelegenheit zum Träumen. 

In faszinierender Transparenz wurden die einzelnen Themen ungemein sauber herausgearbeitet und überdies in staunenswert nuancenreicher Dynamik präsentiert. Das Adagio im Ludwig-van-Beethoven-Trio wurde auf diese Weise zu einem schönen Poem, fein und fließend in seiner Zeichnung wie ein ruhig über Landschaften schweifender Blick. Umso ausgeprägter war der Kontrast zum Allegretto, bei dem die Variationen des besagten „Gassenhauer“-Themas in deutlich voneinander abgesetzter Klangfarbigkeit dargeboten wurden - von munterem Stampfen über tänzerische Eleganz bis hin zu versonnen anmutender Melancholie. Perlende Prägnanz Markante Rhythmik prägt das 1970 uraufgeführte, viersätzige Fantasy Trio op. 26 des amerikanischen Komponisten Robert Muczynski. In der teilweise komplexen Verschachtelung der einzelnen Melodielinien bot die zupackende und präzise, dennoch leicht wirkende Spielweise der Musiker die Basis für einen stimmungsvollen Hörgenuss. Vor allem in den ausgelassen intonierten Jazz-Elementen ergänzte sich die perlende Prägnanz des Klaviers hervorragend mit der klaren Tongebung von Cello und Klarinette. 

Musikalisches Herzblut war auch nachhaltig zu spüren bei dem deutlich schwergewichtigeren Trio a-Moll op. 114 von Brahms, das als Spätwerk mit großzügiger Stilistik aufwartet. Hier bot besonders der 2. Satz Adagio, wenn auch anfangs noch mit einem Hauch Ungeduld behaftet, sich sanft steigernde und gegen Ende moderat abebbende Harmoniefolgen. Dabei brillierten vor allem Cello und Klarinette mit warmer Tongebung und einem beseelten Wechselspiel.

Entschiedene Akzente und ausgeprägte Impulse versahen schließlich das Andantino grazioso mit farbenfrohen Tupfern und sorgten für so etwas wie tänzerische Leichtigkeit. Dagegen beeindruckten in den Ecksätzen die sauber angesetzten, in ihrer Intensität löblicherweise niemals einbrechenden Spannungsbögen. Dieses Konzert machte Lust auf weitere kammermusikalische Aktivitäten in gleicher Zusammensetzung. Sehr herzlicher Beifall quittierte die gelungene Aufführung.

Unser Lieben Frauen: Festivalauftakt 

Gerd Klingeberg, Weserkurier

Smetanas Verkaufte-Braut-Suite nur für Klarinetten? Aber natürlich geht das. Wenn ein Arrangeur wie Jan Doormann am Werke ist, seines Zeichens Soloklarinettist der Staatskapelle Weimar, dann ist das Ergebnis so zündend, dass sich garantiert keine Braut mehr für die orchestrale Originalversion verkaufen lassen würde. Doormann und seine fünf Klarinetten-Kombattanten lassen auf ihrer neuen CD die Vielfalt hochleben. Mozart, hier vertreten mit drei kleinen Originalkompositionen für Klarinetten-Ensemble, ist ihr frühester Gewährsmann; je jünger die Literatur für das noch ziemlich junge Blasinstrument, desto experimentierfreudiger, farbiger, jazziger die Interpretation - bei der Verkauften Braut darf‘s auch eine Prise Klezmer sein.

Die CD besticht durch geistreiche Arrangements und natürlich durch das stimmungsvolle und abwechslungsreiche Spiel der sechs Musiker...

Die Bläser brillieren mit Jean Francaix‘ feinsinnigem Petit Quatuor, setzen den Orient Express von Philip Sparke unter Dampf und intonieren den Last Tango in Bayreuth von Peter Schickele (alias PDQ Bach) mit milder Ironie. Natürlich liegt ihnen auch das jazzige West-Side-Story-Medley. Und weil der Weimarer Jan Doormann nicht nur arrangiert, sondern auch komponiert, reisen die Klarinettisten von Bernsteins New York gleich weiter zu Doormanns Mambo-Session. Passt, gefällt, macht einfach Spaß.

Von Mozart ins Heute, mit Smetanas Verkaufter Braut im Orient-Express via Bayreuth nach New York: 

Das Sextett Clarinet News lädt auf der CD Clarinet Connection zur Reise in die nahezu unendliche Welt der Klarinette ein.

Frauke Adrians, Erfurt

Sie kann schreien wie ein angestochener Vogel, tuten wie eine Schiffshupe und trippeln wie eine Katze (siehe „Peter und der Wolf“). In ihrer heutigen Form reicht ihre Historie bis zu Mozart zurück. Seit jeher ist sie ein beliebtes Instrument im klassischen Konzertsaal, bei Jazz-Konzerten, im Klezmer und in der Neuen Musik: die Klarinette. Groß auch der Anklang der Norddeutschen Klarinettentage, initiiert von der Bremer Hochschule für Künste um Professor Marco Thomas. Auch das Konzert „Clarinet Connection“ des Ensembles „Clarinet News“ zeigte im Sendesaal, was alles in dem Instrument stecken kann.

Sämtliche Werke, die das Ensemble darbot, hatte es zuvor eigens arrangiert: für sechs Klarinetten (von der hohen Es-Klarinette bis zur Kontrabassklarinette) sowie - bedarfsweise - das Saxophon (das insofern von der Klarinette abstammt, als es über das gleiche Mundstück verfügt). Die Musiker boten dem Publikum einen pfiffigen Streifzug durch die Geschichte ihres Instruments. Sie würdigten Mozart als ersten gewichtigen Förderer der Klarinette, ließen zeitgenössische Klänge ebenso einfließen wie Glenn Millers „Moonlight Serenade“, etwas Klezmer und Leonard Bernsteins „West Side Story“. Zudem gab es den „Rosaroten Panther“ - ein Programm voller Humor, launig moderiert von Marco Thomas, künstlerischer Leiter der Klarinettentage und Ensemblemitglied in Personalunion.

Aus der Sicht weniger begabter Spieler war besonders bemerkenswert, wie sich die Könner ihres Fachs in allen Stilrichtungen gleichermaßen daheim zu fühlen scheinen. Sie trafen den blastechnisch etwas liberaleren Jazz-Sound so beschwingt wie den zuweilen etwas heiser anmutenden Klezmer-Klang. Die klassischen Spielweisen beherrschen die Musiker ohnehin im Schlaf. 

Als besonderes Bonbon bot das Ensemble Peter Schickeles „Last Tango in Bayreuth“, einen Schnelldurchlauf durch Wagners „Tristan und Isolde“. Ungewöhnlich, das schwermütige Liebesmotiv aus der Oper mit einem Tango zu unterlegen. Es war nur einer von sehr vielen schönen Gags an diesem Abend.

Die Klarinettentage zeigen, was in einem einzigen Instrument steckt

Alexander Schnackenburg, Bremen

© Copyright Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 10.01.2011

Manchmal werden auch Orchestermusiker hochberühmt. So etwa Richard Mühlfeld, Soloklarinettist der Meininger Hofkapelle. Sein Spiel hat Johannes Brahms so stark beeindruckt, dass er seinen Vorsatz brach und nochmals zur Notenfeder griff, um eine Reihe von Kompositionen für und mit Klarinette zu schreiben, und wohl auch mit Kopf und Seele an den Auslöser dieses Schaffensimpulses, an Mühlfeld zu denken.

Eine der schönsten Kammermusiken des Johannes Brahms ist das Quintett für Klarinette und Streichquartett h-Moll, op. 115, dessen Wiedergabe in der Kirche Unser Lieben Frauen sich zu einem Höhepunkt der diesjährigen „Norddeutschen Klarinettentage“ emporhob. Es entfaltete sich als viersätzige Improvisation über einen Themenkern, ausgedacht von dem gewandtesten Satztechniker des 19. Jahrhunderts. Die Klarinette erschien in dieser stimmungsdichten Wiedergabe restlos integriert. Das war zu einem Marco Thomas zu danken, der wunderbar weich und zart, gelöst und intelligent zu blasen vermochte. Gerade auch im vorherrschenden Piano und Pianissimo leuchtete der Klang in differenzierten Farben und jeder Ton war von Sensibilität getragen.

Nicht minder souverän gestaltete das Streichquartett aus vier ersten Kräften der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen: Primgeiger Florian Donderer, Stefan Latzko (2. Violine), Friederike Latzko (Viola) und Tanja Tetzlaff (Violoncello). Jede Stimme wahrte ihr Eigengewicht im feinsinnig austarierten Klangbild. So ergab sich ein Musizieren von hohem Reiz, zumal sich stets der erblühende oder nachwehende, der anregende und der altersmild bestätigende Klarinettenton in das warm strahlende Streichergewebe einband.

Am Beginn des Konzertes stand eine Novität: „The Invisible Voice für Streichquartett und Klarinette“ von dem 1955 geborenen Johannes Reiche. Die Komposition gleicht einem tiefsinnig melodischen Trauergesang, den die unsichtbare (invisible) Klarinette aufzuhellen versucht: zuerst mit einem aus der Ferne heranschwebenden, frühlingsleicht aufmunternden Ruf, was insbesondere die obligat in ihrer Meditation eingesponnene Bratsche nicht zulassen mag, dann etwas forscher tröstend ein neuer Versuch, der allerdings ohne gewünschten Erfolg bleibt, ehe dem gemeinsamen Verlöschen ein groteskes Koboldgelächter folgt.

Ganz reizend als Kontrast hierzu Mozarts jugendfrisch aufmunterndes Divertimento KV 136, in der Aufführung unbeschwert in einer kunstvollen Naivität belassen. Starker Beifall.

Kammermusik als Höhepunkt der Norddeutschen Klarinettentage

Simon Neubauer

»Weser Kurier« vom 08.01.2008

Bremen. Komponisten-Jubiläen haben neben den großen Vorzügen auch einen Nebeneffekt: die Begegnung mit Unbekanntem und Vergessenem. Denn Interpreten, die noch nicht in Selbstgenügsamkeit erstarrt sind, gehen gern auf Spurensuche und holen aus den Archiven Stücke, die dort wohl bis auf den Sankt Nimmerleinstag verstaubt wären. Auf diese Weise glückte den Veranstaltern der Norddeutschen Klarinettentage mit einer »Mozartiade« in der Kirche Unser Lieben Frauen ein sehr reizvolles Programm, das schließlich mit einem erlesenen Kleinod der Kammermusik, dem Klarinettenquintett A-Dur KV 581 den Gipfelpunkt erreichte. Als abgebrochene Vorstufe hierzu kann man das Allegro B-Dur für Klarinette und Streichquartett KV 516 bezeichnen, entstanden in »Cosi fan tutte«-Nähe und ebenso belebt von bezwingender kompositorischer Eleganz. Den »Rahmen« hierzu boten ein Adagio F-Dur für Klarinette und drei Bassetthörner und ein Canonic-Adagio für zwei Klarinetten und Bassetthorn, schöne, weihevolle Stücke, die an Mozarts Freimaurertum erinnerten. Noch seltener zu hören sind die Nocturnes für drei Singstimmen und drei Bassetthörner beziehungsweise zwei Klarinetten und Bassetthorn, wundersam und schmeichelnd grundierte Terzette, deren abendliche Stimmung bewiesen, daß es bei Mozart eigentlich keine Nebenprodukte gibt. Zudem fügten sich die Stimmen der Sopranistinnen Kristin Schulze und Hiroko Oike sowie des Basses Jong Hong Kim mit den feinsinnig argumentierenden Bläsern Jaan Bossier, Jan Doormann, Stefan Polster, Regine Müller und Sebastian Gette von Poblotzki zu harmonischer Fülle. Dann aber das Klarinettenquintett in einer bezaubernd intimen Interpretation! Marco Thomas und die Mitglieder der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen (die Geiger Florian Donderer und Stefan Latzko, die Bratschistin Friederike Latzko und die Cellistin Tanja Tetzlaff) behandelten das Werk, wie es einem Solitär gebührt: Tonlich von bester Qualität und in der Ausdeutung von subtilen Schattierungen und Schwingungen des Gefühls veredelt. Die Wiedergabe mit feinsinnig gezügeltem Mitteilungsdrang ließ keine »Rivalität« zu; reich differenzierter Klarinettenton »brüderlich« mit Kantilenen und Argumenten der vorbildlichen Streicher. Ein Genuss für den Hörer, ein Höhepunkt der Klarinettentage. 

»Weser Kurier« vom 10.1.2006

Norddeutsche Klarinettentage starten mit Opernmelodien. 

Bremen. Auch wenn sie ganz ungewöhnlich kostümiert waren, konnte man sie trotzdem unschwer erkennen. Carmen natürlich und Escamillo, die verkaufte Braut Marie, den Heiratsvermittler Ketzal wie den stotterndenden Wenzel, Mackie Messer, Maria, Tony und die Großmäuler der Gangs aus der West Side New Yorks. Die »musikalische Reise durch die Welt der Oper« markierte den Beginn der nun zum zweiten Male veranstalteten »Norddeutschen Klarinettentage«. Marco Thomas, Professor für Klarinette an der Bremer Hochschule für Künste, hatte wieder etliche Kollegen von führenden Positionen in mitteldeutschen Orchester an die Weser gelockt, um ein Programm mit Ausnahmecharakter anzubieten. Nun sind ja der Klarinette reiche Ausdrucks- und Gestaltungsmöglichkeiten vom Odem der Liebe bis zum virtuosen geschnatterten Parlando anheimgegeben, Vorzüge, die auch im Sechserpack (neben Thomas musizierten Jan Doormann, Sebastian Gette von Poblotzki, Regine Müller, Stefan Polster und Thomas Richter) nicht untergehen. 

Der Sound bleibt variabel, wenn sich die originären Klarinettenklänge mit jenen der Es-Klarinette, der Baßklarinette und dem Bassetthorn mischen. Und zudem sind die Holzbläser meist auch fähig, ein anderes Instrument zu handhaben – hier auch mal Gitarre und Tamborin. Wenn Könner an den Pulten in der recht gut besetzten Kirche Unser Lieben Frauen zusammen spielen, ist Qualität des Musizierens gesichert … 

»Weser Kurier« vom 7.1.2006

Ensemble Clarinet News spielte während der Norddeutschen Klarinettentage in der Kirche Unser Lieben Frauen.

Bremen. Zwischen herzerwärmenden Kantilenen und jodelndem Kehraus sind die Klarinettisten im Konzertbetrieb von der Klassik bis zur Gegenwart eigentlich nicht unterbeschäftigt. Erfreulich deshalb, dass sich Bläser dieser Kategorie, meist solche in herausragenden Solopositionen, damit nicht begnügen und nach zusätzlichen Möglichkeiten freundschaftlichen Musizierens trachten – zur eigenen Freude und jener der genießenden Gourmets.

Auf solche Weise entstand, von Marco Thomas, unter anderem Professor an der Bremer Hochschule der Künste, initiiert, das sechsköpfige Mitteldeutsche Klarinetten-Ensemble Clarinet News, das jetzt in der recht gut besetzten Kirche Unser Lieben Frauen die Norddeutschen Klarinettentage eröffnete. 

Natürlich ist die Literatur für sechs Klarinettisten, einmal abgesehen vom wundervoll innigen Adagio B-Dur (KV 484) von Mozart, äußerst rar. Deshalb traten die Bearbeiter in Aktion, vornehmlich Marco Thomas und Jan Doormann, ebenso geschmackvolle wie gewiefte Musiker, die sehr genau wissen, wie man den Originalklang mit Farben, Verzierungen, kessen Rhythmen und spritzigen Pointen erweitern kann. Daraus entstand ein höchst animierendes, mit »Clarinets in town« betiteltes Hörszenario, das sich von der Ankunft der Königin von Saba (Händels »Salomon«) bis zum »Rosaroten Panther« in Mancinis Kuschelsound spannte.

Die Mitglieder der Clarinet News – neben den Genannten noch Sebastian Gette von Poblotzki, Stefan Polster, Regine Müller und Thomas Richter – geizten selbstverständlich nicht mit ihren Fähigkeiten, unschwer zu hören an der Qualität und den Farben des Klangs, an der sensiblen Phrasierung, überhaupt an der klug ausgefeilten Gestaltung und an der bezwingenden rhythmischen Perfektion.

Im Sentiment baden Unter den Werken des Barock fesselte insbesondere Bachs Toccata und Fuge d-Moll, unverwechselbar im zugrunde liegenden Orgelklang, doch »bildhaft« aufgefächert in den Registerfarben und in der polyphonen Durchsicht. Strawinskys erstes Stück aus den »Drei Stücken für Klarinette solo« aus dem Hagre 1919 hat meditativen Charakter und schwebte (im Christopherussaal interpretiert) wie aus einer irrealen Welt heran, gefolgt von zwei Sätzen der »Sonata for Clarinets in B and A« von Francis Poulenc, sehr innig im folkloristischen Andante, kess virtuos im »Vif«. Das »Petit Quatuor« von Jean Francaix, gefürchtet wegen der extremen Schwierigkeiten, entzückte durch die brilliante Formulierung, das spielerische Fabulieren, den Ulk.

Im zweiten Teil konnte man nachvollziehen, wie sich George Gershwin in seinen »Three Preludes« mit der Tradition abplagte, wie Glenn Millers »Moonlight Serenade« im Klarinettenchor noch üppiger im Sentiment badete oder wie Rolf Kühn in seinen »Clarinet Connections« geradezu glorios die Ausdruckswechsel des Jazz sowohl eruptiv motorisch wie figurativ fließend auskostete.

Der begeisterte Applaus erzwang mehrere Zugaben.

Simon Neubauer

»Weser Kurier« vom 10.1.2005